Der agVirus hat uns erwischt!



Als Christine und ich am 08.08.2010 in Hitzacker zum Parkplatz liefen, sah ich etwas grün-gelbes und sagte: "Schau mal, da steht unser Auto für die Mongolei." Christine sprach die Menschen an, die auf Campingstühlen davor saßen und wir unterhielten uns über die Vorteile der LKW's aus Ulm und was man mit ihnen so erlebt.





Zurück in Ulm folgte eine intensive Internet- und Telefonrecherche.





Auch der Rest der Familie war sofort Feuer und Flamme!



Ich entdeckte im Internet Folgende Anzeige:

Biete SW 2000 St. Magirus Deutz 150 D 10
Die Feuerwehr Idstein bietet, im Namen der Stadtverwaltung Idstein, einen SW 2000 St. zum Verkauf an. Das Kfz. wurde 1966 hergestellt. Aufbau: Magirus. Ausstattung: Vorbaupumpe 16/8. Aufnahme im Aufbau für 2000 Meter B- Druckschlauch sowie löschtechnische Armaturen. Weitere Informationen und Verk.preisvorstellung bitte über den Anbieter.

Magistrat der Stadt Idstein, Rechts - und Ordnungsamt/Feuer

Bei einem Telefonat fand ich folgendes heraus:

21000 Km
Allrad
synchronisiertes Getriebe
F6L714
6 Mann
Dach klappbar
Reifen neu
HU neu
AU befreit

Und auf der Homepage der FF Idstein fand ich zwei Bilder mit Text:



Fahrgestell Magirus 150 D 10, 150 PS, Aufbau Magirus, Bj. 1966
Rufname: Florian Idstein 62
Auf dem Schlauchwagen SW 2000 sind 2000 m - Druckschläuche verlastet. Des weiteren dient er zum Nachschub von Druckschläuchen und wasserführenden Armaturen. Das Fahrzeug wurde im Januar 1967 vom Katastrophenschutz des Landes Hessen in Idstein stationiert und ist das älteste Einsatzfahrzeug im Fuhrpark der FF Idstein. Der SW 2000 ist für eine Staffelbesatzung (6 Einsatzkräfte) ausgelegt.




Nach 44 Dienstjahren wird der Schlauchwagen, der Rufname war Florian Idstein 62, ausser Dienst genommen. Eine Ersatzbeschaffung ist leider nicht vorgesehen.
Der SW 2000 diente vornehmlich zur Wasserförderung über lange Strecken und zum Nachschub von Schlauchmaterial. Die Besatzung bestand aus 6 Einsatzkräften.
Mit der verlasteten Ausstattung konnte eine bis zu 2000 Meter lange B-Schlauchleitung verlegt werden. Die Löschwasserentnahme konnte sowohl aus dem Hydrantennetz als auch aus offenen Gewässern erfolgen. Zur Ausstattung gehörte auch eine tragbare Feuerlöschkreiselpumpe.
Die Kameradinnen und Kameraden der Freiw. Feuerwehr Idstein verabschieden sich nur sehr ungerne von ihrem SW 2000.




Am 28.08.2010 fuhr ich mit Thomas, der einen 125 D 10 fährt, nach Idstein und wir besichtigten das Fahrzeug. Da ich keinen Führerschein der Klasse 2 habe, machte Thomas die ca. 40-minütige Probefahrt. Nach einer weiteren Inspizierung und der Aussage von Thomas, dass er nichts finden könne, was gegen einen Kauf spricht und das Fahrzeug in einem wirklich guten Zustand ist, waren wir uns schnell über den Preis einig und ich sagte verbindlich per Handschlag zu, das Fahrzeug zu erwerben. Danach meinte Thomas, dass er sich schon überlegt hatte, die Kiste zu kaufen, wenn ich sie nicht nehme (bevor sie Irgendjemand kauft...).

Jetzt können Christine und ich es natürlich kaum erwarten, bis der 150 D 10 abgeholt werden kann!



















Thomas geniesst das synchronisierte Getriebe!



Am 04.09.2010, auf dem Weg zu Willy's Treffen besuchten Christine und ich erneut unseren Zweitwagen.



Christine macht den Grössenvergleich.







Jetzt fehlt es nur noch am Hallenstellplatz, damit wir den MAGIRUS holen koennen...



Kann ihn erstmal auf einem Bauernhof unterbringen, wo ich mal gewohnt habe. Also telefoniere ich den halben Freitagnachmittag rum und düse dann am Samstag, 11.09.2010 um 08:00 Uhr mit mit Thomas wieder Richtung Idstein los um gegen 11:30 den Kaufvertrag zu unterschreiben und das Geld auf den Tisch zu blättern. UNSER AUTO! Nach Abkleben der Blaulichter und Abnehmen des Arbeitsscheinwerfers, rangiert Thomas vom Hof und ich hinterher.











Mein Tacho zeigt konstant 80, auch jeden Berg hoch, bis auf den, an dem Thomas von einem Tanklaster abgebremst wird.



Am Rasthof Ohrenbach wird Diesel, Super, Kaffee, Cacao und Käsekuchen in die dafür vorgesehenen Öffnungen getan, um dann erfrischt weiter Kilometer zu fressen. Mir fällt auf, dass der Magirus den Berg hoch an der rechten Seite irgendwie qualmt und so halten wir erstmal in Seligweiler um festzustellen, dass da irgendwo Diesel rausspritzt. Kann nichts schlimmes sein, denn der Motor schnurrt wie ein Kätzchen. Also weiter zum Stellplatz und mit Alex Hofbegehung machen.

Ich wollte es mir nicht nehmen lassen, wenigstens die letzten 100m über das Privatgelände zu fahren und machte so meine allererste Fahrt mit unseren neuem Zweitwagen. Die letzten 10m rückwärts an die Halle wollte ich Thomas wieder anvertrauen, aber der meinte: Du musst ja nur noch geradeaus zurück, ich weise Dich ein. 5m ging es gut und dann machte es plötzlich KNACKS - und das Fahrerhaus hatte 15 Prozent Schräglage. Das rechte Vorderrad war durch die zugewachsene Holzabdeckung eines ehemaligen Gülleablaufs gebrochen.

Zum Glück hat Alex einen Radlader, der die ca. 4 t locker aus der Grube hob.





Christine schaut sich das da an:
F 6 L 714
ZylinderV6
Bohrung120 mm
Hub140 mm
Hubraum9500 cm3
Gewicht730–790 kg
Länge105 cm
Breite122 cm
Höhe100 cm
Verdichtung19
Leistung bei Drehzahl150/2300 PS(kW)/min-1
Drehmoment bei Drehzahl54/1200 mkp(Nm)/min-1
eff. Druck7,0 bar
Viertakt-Wirbelkammer-Dieselmotor. Stehende V-Motoren, Winkel 90 Grad. Luftkühlung durch thermostatgeregeltes, ölhydraulisch angetriebenes Axialgebläse; zusätzlicher Ölkühler. Einzelzylinder und Einzelzylinderköpfe, letztere aus Leichtmetall. Kolben aus Leichtmetall. Zwei Ventile pro Zylinder, senkrecht in je einer Reihe pro Zylinderbank hängend, gesteuert über untenliegende zentrale Nockenwelle, Stößel, Stoßstangen und Kipphebel. 4 Kurbelwellenlager. Bosch-Einspritzpumpe und Bosch-Einspritzdüsen, Einspritzdruck 125 bar. Niedrigster Kraftstoffverbrauch 185 g/PSh.




Aber welche Dieselleitung ist jetzt undicht???



Meine Recherchen und Telefonate mit dem TÜV haben ergeben, dass zur positiven Begutachtung nach StVZO §23 (H-Kennzeichen) alle Hinweise auf Feuerwehr und Katastrophenschutz entfernt werden müssen - auch die Blaulichter. Die Ablastung auf 7,49t zGG sollte trotz der momentan im Brief stehenden 6,49t Leergewicht kein Problem darstellen, obwohl die 20% Differenz in diesem Fall nicht gegeben sind. Also habe ich mit Olaf's Heissluftgerät alle Aufkleber bis auf die 62 abgemacht. Die Aufschrift 'KATASTROPHENSCHUTZ LAND HESSEN' ist in alter Manier aufgemalt und Christine und ich haben zum Abkleben rote Folie besorgt.



21. September 2010 - Heute habe ich angefangen, die Innereien aus dem Koffer zu entfernen. Habe bereits eine Kiste voll mit Schrauben und in 8 Stunden etwas mehr als die Hälfte geschafft. Die undichte Dieselleitung konnte ich nicht lokalisieren.



Mittwoch und Donnerstag war dann frohes Schrauben und Flexen angesagt - das bringt bestimmt schon mal 200kg weniger Gewicht.







Freitag, 24. September 2010 - Tom hat mich heute zur DEKRA gefahren. Die Ablastung war kein Problem, jedoch das Gutachten für die Oldtimerzulassung scheiterte an der HU! Die Spurstange ist verbogen, ich muss sie austauschen und erneut vorfahren. Also lag ich Samstag im Regen unter dem Magirus und habe in zwei Stunden die Kronenmuttern der Kugelgelenke abgeschraubt, um dann festzustellen, dass ich die Spurstange nur mit Spezialwerkzeug rausbekomme. Kugelgelenkabzieher bei eBay bestellt...



Dienstag, 28.09.2010 - ohne Kugelgelenkabzieher geht's auch! Heute habe ich die Spurstange ausgebaut, dampfgestrahlt und spazierengefahren. Leider traut sich Niemand, sie zu richten, also recherchiere ich weiter im Internet. Im Koffer ist jetzt der Durchgang von den vorderen Türen zur Hecktür möglich - ab jetzt muss ich aufpassen, die Tragkraft des Daches nicht zu schwächen, wenn ich weitere Streben entferne.



Da muss sie dazwischen:







05.10.2010 Gestern waren wir in Deggenhausen und haben die Spurstange richten (mit Feingefühl und einer 50 Tonnen-Presse gerade biegen) lassen.



Vorher war sie krumm und hatte eine Macke - jetzt ist sie gerade und hat viele Macken. Ich habe sie Nachts extra noch lackiert (im Baumarkt den teuersten Metallschutzlack gekauft...) um sie heute einbauen zu können - aber als ich 09:10 heute Morgen den Lack immer noch klebrig vorfand, war der gesamte Enthusiasmus weg: 'So nimmt mir das die Dekra niemals ab'... Aus lauter Frust habe ich dann alle Ersatzteilhändler, die ich recherchiert hatte, angerufen - leider ohne Erfolg! Dann habe ich eine neue Spurstange über ebay in Belgien bestellt, in der Hoffnung das die passt. Da ich schon auf Schrauben eingestellt war, habe ich mich über die nicht funktionierende Hupe hergemacht - und an meinem E-Technik-Verständnis gezweifelt. Erst erneute Internet-Recherche brachte die Lösung: Die Hupe ist mit der Sondersignalanlage über ein Relais gekoppelt, dass, wenn das Blaulicht an ist und man auf den Hupenknopf drückt, das Martinshorn ertönt. Da ich alle Sicherungen der Sondersignalanlage zum Dekra-Termin herausgenommen hatte, war klar, warum die Hupe nicht hupte. ...jetzt geht sie! Dafür musste ich den Tonfolgeschalter ausbauen.



08.10.2010 Die Spurstange aus Belgien ist da. Und, wen wundert's, sie passt nicht!



12.10.2010 - Mit Alex H. in's Hanfbachtal: Spurstange (neu), Winterabdeckung für den Kühlergrill, Gummidämpfer für Motorhaube und das Wichtigste: die schicke Leuchte für's Handschuhfach gekauft.





14.10.2010 - Spurstange einbauen und die Vorspur einstellen. Danach sind wir zur Dekra gefahren und JAAAHHHH! die Nachprüfung war erfolgreich. Mir ist ein riesiger Stein vom Herzen gefallen! Christine ist heute zum ersten Mal in ihrem Leben selbst LKW gefahen!!!







15.10.2010 - Der Magirus ist angemeldet!
Das Wunschkennzeichen NU - ID 62 ist eine Reminiszenz an die Vergangenheit als Florian Idstein 62. Halle ist noch immer keine in Aussicht...



27.10.2010 - Hallensuche geht jetzt einen Level höher:





27.11.2010 - Florian hat jetzt endlich ein Dach über dem Kopf!



16.07.2011 - Schande über uns! Bis jetzt musste Florian ohne uns auskommen, was er auch gleich mit Startschwierigkeiten dankte! Nach etwas Diesel pumpen und 2 x 12V Starthilfe sprang er dann doch fröhlich an. Da wir vorher die Luftleitbleche über den Zylindern abgenommen hatten, konnten wir sofort sehen, wo der Diesel rausspritzt - die Leckölleitungen sind morsch - also sofort raus damit! Danach war noch etwas Dachgarten jäten angesagt. Am 18.07. wurden die Leckölleitungen bei Hansa-Flex in Wiblingen auf den Ladentisch gelegt und der freundliche und kompetente Hansa-Flex-Mann presste neue Leitungen auf die alten Anschlüsse.



20.07.2011 - Leckölleitungen sind eingebaut - zum Anspringen waren die Batterien zu leer und Starthilfe war nicht möglich...



30.07.2011 - Die Vorbaupumpe muss weg! Zuerst waren Stromteddy und ich uns nicht ganz sicher, ob wir das wirklich angehen sollen, aber von selbst erledigt sich die Arbeit nicht. Knapp 4 Stunden später waren wir dann ganz stolz auf uns, die Pumpe, Gestänge und der Druckschlauch zum Gasstrahler waren ab- und ausgebaut! In der Zwischenzeit waren die Batterien so weit geladen, dass er problemlos ansprang und wir ein paar Platzrunden drehen konnten.









01.09. - 04.09.2011 - Willy's Treffen in Mendig - am Donnerstag treffe ich mich mit Thomas an der A8 in Dornstadt und gemeinsam brechen wir Richtung Mendig auf. Da auf der A8 der Verkehr steht, nehmen wir die A7 bis Feuchtwangen, dann die A61 bis Mannheim und die A6 bis Mendig. Mit einer Pause zum Tanken brauchen wir rund 7 Stunden.
Christine reist erst am Samstag zum Bahnhof Andernach an, wo ich sie abhole.



Tankpause - Florian in guter Gesellschaft.





Florian trifft sich mit anderen Fernreisemobilen.





In Florian kann man jetzt schon leben.







Die Heimreise.



29.10.2011 Elke und Wolfgang haben mich um 8:20 in Seligweiler abgeholt, dann ging es auf die A8 Richtung München und nach 138 Km und knapp 1 1/2 Stunden waren wir in Oberpfaffenhofen. Der Grund war folgendes:



Wer errät's???



Das hier...

(Richtig, die gute alte ZF-Spindelhydrolenkung.)



...soll da rein!



Und wer weiß, was das ist??? Hinter Bauteil A versteckt sich noch Bauteil B!

Wieder richtig: Verteilergetriebe mit Strassengang i = 1:1,023 und Geländegang i = 1:1,5588. Dahinter die Stoßstange.

Über den Winter gibt es also einiges zu tun.



02.11.2011 heute war Florian bei der HU - Ergebnis: ohne festgestellte Mängel!